Marie Jahoda

* 26. Jänner 1907 in Wien
† 28. April 2001 in Keymer, Sussex, GB
auch Marie Jahoda-Lazarsfeld
Pseudonym: M. Mautner
Jahoda war eine österreichische Sozialforscherin und Sozialpsychologin

LEBEN

MARIE JAHODA EDITION

Rekonstruktionen meiner Leben

Unter dem Titel „Rekonstruktionen meiner Leben“ erschien die Autobiografie der in Wien geborenen Sozialpsychologin Marie Jahoda (1907-2001). Jahoda erzählt darin über ihre jüdische Herkunft, über die Beziehung zu ihrer Tochter Lotte, über ihr Leben und Überleben als Widerstandskämpferin gegen das autoritär-faschistische Regime in Österreich sowie über ihre Laufbahn als kritische Sozialforscherin in den USA und England. Die Autobiografie macht deutlich, wie sehr diese Frau in ihrem Denken und Handeln die historischen Grenzen für einen weiblichen Lebensverlauf überschritten hat.

Als politisch engagierte, verantwortungsbewusste Sozialforscherin hat sich Jahoda immer für soziale Gerechtigkeit, die soziale Bedeutung von Arbeit und eine Humanisierung der Arbeitswelt eingesetzt.

Das Buch enthält auch einen Essay ihrer Tochter Lotte Bailyn. Sie lebt in Boston/USA, ist Sozialpsychologin und praktiziert ähnlich wie Jahoda eine „lebensnahe Sozialforschung“. Mit empirischen Projekten versucht sie zu zeigen, wie eine radikale Umgestaltung betrieblicher Organisationen ermöglichen würde, dass Frauen ihren Platz nicht nur in Familien, sondern auch in gesellschaftlichen Arbeitswelten finden können. 

Marie Jahoda: Rekonstruktionen meiner Leben
264 Seiten, gebunden
Herausgegeben von Johann Bacher, Waltraud Kannonier-Finster, Meinrad Ziegler
ISBN: 
987-3-902968-95-1

MARIE JAHODA EDITION

Akteneinsicht: Marie Jahoda in Haft

Verfolgt im Austrofaschismus: Die erste Aufarbeitung des Gerichtsakts von Marie Jahoda

Die Sozialpsychologin Marie Jahoda (1907–2001) saß 1936/37 neun Monate in Haft. Ihr Verbrechen war, als Revolutionäre Sozialistin die Diktatur des Dollfuß-Schuschnigg-Regimes bekämpft zu haben. Bei den Verhören und vor Gericht hielt sich Jahoda strikt an eine Regel der konspirativen Untergrundarbeit:

„Gib nur zu, was nicht mehr bestritten werden kann, und belaste andere nicht.“

„Dieses Buch leistet einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung und würdigt eine Frau, deren politischer Widerstand gegen Diktaturen Vorbildwirkung als Gegenpol zu einer heute weitverbreiteten Politikverdrossenheit hat – denn: ‚Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur wieder auf.‘“

Friedrich Forsthuber, Präsident des Wiener Landesgerichts für Strafsachen

Akteneinsicht: Marie Jahoda in Haft
256 Seiten, gebunden
Herausgegeben von Johann Bacher, Waltraud Kannonier-Finster, Meinrad Ziegler
ISBN:
978-3-7065-6161-7

Blick ins Buch

Rezension im Falter 48/21, 01.12.2021

„Die Akte Marie Jahoda“ von Andreas Kranebitter, Die Presse/Spectrum, 15.01.2022

„Der Gerichtsfall Jahoda“ von Natascha Strobl, Tagebuch 2/22

Arbeitslose bei der Arbeit

Fünf Jahre nach dem Erscheinen von „Die Arbeitslosen von Marienthal“ und nur ein Jahr nachdem sie aus Österreich ausgebürgert worden war, entstand 1938 im englischen Exil ihre ethnografische Studie über ein Selbsthilfeprojekt für arbeitslose Bergarbeiter in Wales.

In einem Essay erläutert Meinrad Ziegler die historischen Zusammenhänge. Er rekonstruiert Details des untersuchten Projekts und verknüpft einige Ergebnisse mit dem Konzept der sozialpsychologischen Bedeutung von Arbeit, das Jahoda in den 1980er Jahren theoretisch ausgearbeitet hat.

Aufsätze und Essays

Dieser Band enthält eine Auswahl von Aufsätzen, Essays und Reden von Marie Jahoda, die zwischen 1937 und 1997 entstanden sind. Sie geben Einblick in die Breite der Fragestellungen, mit denen sich Marie Jahoda in ihrem wissenschaftlichen Arbeitsleben beschäftigt hat. Ihre Forschungen waren stets auf grundlegende Problem- und Konfliktlagen der modernisierten Gesellschaften des 20. Jahrhunderts bezogen.
In ihren Texten erörtert sie unter anderem die sozialen Bedingungen von Konformität und Unabhängigkeit, das Problem des Nationalismus in einer globalisierten Welt, die Entstehung von Vorurteilen und Antisemitismus sowie Thesen zur sozialpsychologischen Bedeutung von Arbeit.

Marie Jahoda: Arbeitslose bei der Arbeit & Aufsätze und Essays
Zwei Bände im Schuber
Herausgegeben von Johann Bacher, Waltraud Kannonier-Finster, Meinrad Ziegler
ISBN: 978-3-7065-5983-6

Blick in Band „Arbeitslose bei der Arbeit“

Blick in Band „Aufsätze und Essays“

Rezension in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 22.01.2020

Rezension in WISO, Nr. 1/20 von Dennis Tamesberger

Rezension in der ÖZP 3/2020 von Felix Butzlaff

Rezension in derstandard.at, 11.02.2020

Mit Marie Jahoda Entwicklungen in der Arbeitswelt analysieren. Julia Hofmann und Georg Hubmann am Blog Arbeit und Wirtschaft.

Illustration:
Oliver Dorfer aus der Serie „hand-cranked“ (2017)

Lebensgeschichtliche Protokolle der arbeitenden Klassen 1850–1930.

Der Blick auf die alltäglichen Sorgen der Menschen steht im Mittelpunkt der lebensnahen Forschung von Marie Jahoda. Ihre hier erstmals veröffentlichte Dissertation von 1932 beruht auf lebensgeschichtlichen Interviews mit Frauen und Männer in den Wiener Versorgungshäusern. Die Erzählungen über Arbeit, Geschlechterbeziehungen, Familie, glückliche und unglückliche Erfahrungen dokumentieren die Lebensrealitäten der arbeitenden Klassen zwischen 1850 und 1930.
Das Buch enthält auch eine umfassende Biographie über Marie Jahoda, ihre Forschungstätigkeit zwischen Wissenschaft und Politik und stellt ihre Dissertation in einen sozial- und wissenschaftsgeschichtlichen Rahmen.

„Es ist das Verdienst dieses Buches, eine bedeutende Sozialwissenschaftlerin in Erinnerung zu rufen, deren Leben und wissenschaftliches Werk in einzigartiger – und teilweise schmerzlicher – Weise die politische Geschichte Österreichs widerspiegelt.“ 

Helga Nowotny

MARIE JAHODA
Lebensgeschichtliche Protokolle der arbeitenden Klassen 1850–1930.
Dissertation 1932
Herausgegeben von Johann Bacher, Waltraud Kannonier-Finster, Meinrad Ziegler
ISBN: 978-3-7065-5567-8

Blick ins Buch

„Haltung bewahren. Marie Jahoda als Vorbild.“ Georg Hubmann am Blog Arbeit und Wirtschaft

Forschung

Die soziale Bedeutung von Arbeit

Als Sozialpsychologin entwickelt Marie Jahoda ein breites Verständnis von Arbeit. Arbeit versteht sie nicht nur als ökonomische Notwendigkeit, sondern als „das innerste Wesen des Lebendigseins“. Arbeit ist mehr als Erwerbstätigkeit, dazu gehören auch Kindererziehung, Hausarbeit oder Schwarzarbeit. Die Erfahrung der Arbeit, so betont Jahoda, befriedigt tiefliegende menschliche Bedürfnisse, auch wenn sie mit Mühsal und unter schlechten Bedingungen ausgeführt werden muss. „Gleichgültig, ob man die Arbeit liebt oder hasst, sie ist in modernen Industriestaaten so organisiert, dass sie das tägliche Leben und Erleben der Beschäftigten notwendigerweise zutiefst beeinflusst.

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Das Phänomen des Nationalismus

„Wie ist die Anziehungskraft brutaler nationalistischer Bewegungen auf so viele Menschen zu erklären?“ Diese Frage stellt Marie Jahoda in den 1990er Jahren als nationalistische Bewegungen zusehends an politischer Bedeutung gewinnen. Die kulturelle oder nationale Identität als Teil der Persönlichkeit kann vor allem in Zeiten gesellschaftlicher Veränderung und Unsicherheit angesprochen werden, wenn andere Teile der Selbstdefinition wie Beruf oder Familie in Frage gestellt sind. Dass charismatische Führer diese Umstände ausnutzen und so Erfolg haben sieht sie als eine Gefahr für die Gesellschaften. Sie warnt, dass der Nationalismus in seiner gegenwärtigen Form die Weltprobleme verschärft.
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Konformismus. Über ein Phänomen im Schatten von Maßnahmen zur Erhöhung der inneren Sicherheit.

In vielen europäischen Gesellschaften fühlen sich Menschen von globalen Wanderungsbewegungen, von religiösen Extremisten und jüngst auch von einer unkontrolliert sich verbreitenden Corona-Pandemie bedroht. Staaten reagieren und bereiten eine Vielfalt von Maßnahmen zur Abwehr dieser Gefahren vor. Diese sind allerdings häufig mit Einschränkungen der Grundrechte verbunden. Bemerkenswert – und wohl auch erschreckend – ist in diesem Zusammenhang, dass beträchtliche Teile der Bevölkerungen bereit sind, den damit verbundenen Abbau von demokratischen Rechten ohne besondere Bedenken zur Kenntnis zu nehmen. Mehr dazu >

„Lebensnahe Forschung“ als Prinzip

Marie Jahoda ging es darum, die reale Welt und ihre Probleme als Herausforderung zu betrachten und mit ihrer Forschung dazu beizutragen, dass diese Welt durch gemeinsame Anstrengung ein wenig lebenswerter gemacht wird. Jahoda bezog sich in ihrer Arbeit stets auf aktuelle gesellschaftliche Probleme, sie wollte das Unsichtbare sichtbar machen. Ihr Zugang der lebensnahen Forschung anerkennt, dass die Realität des Individuellen untrennbar mit der Realität der sozialen Welt verknüpft ist. Denn als Sozialpsychologin sieht sie es als zentrale Herausforderung die soziale Struktur und das Individuum gleichzeitig zu verstehen.
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Im Gespräch

Marie Jahoda:
Im Kampf gegen den Austrofaschismus.

Marie Jahoda (1907–2001) schildert den Schock, den die standrechtliche Hinrichtung eines Bekannten durch das Dollfuß-Regime im Februar 1934 bei ihr auslöste, und ihre Inhaftierung im austrofaschistischen „Ständestaat“. tvthek.orf Video >

Marie Jahoda: Ganz Österreich war in zwei Weltanschauungslager gespalten.

Die Sozialwissenschaftlerin Marie Jahoda (1907–2001) schildert ihr Aufwachsen in einer jüdischen Familie in Wien, ihr politisches Engagement und berichtet von der Entstehung ihrer gemeinsam mit Paul Lazarsfeld und Hans Zeisel verfassten bahnbrechenden Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“. tvthek.orf Video >

Interview mit Marie Jahoda 1997 (Englisch) Part 1

Interview mit Marie Jahoda 1997 (Englisch) Part 2

This is a video interview of Marie Jahoda from a 1997 community psychology class hosted by Jim Kelly. The interviewer is Dr David Fryer. It is part of a series created by Dr Kelly on the History of Community Psychology.

Veranstaltungsvideos

Buchpräsentation Band 1: "Wie' s kommt das Leben"

Maria Hofstätter liest aus den lebens-geschichtlichen Protokollen der
arbeitenden Klassen, Kontextualisierung von Meinrad Ziegler mit
ExpertInnendiskussion zum Thema.
Veranstaltung zum Internationalen Frauentag mit Maria Hofstätter, Meinrad Ziegler (JKU) und Simon Burtscher (Soziologe) vom 8. März 2022 im Salomon Sultzer Saal des Jüdischen Museums Hohenems.

 

Buchpräsentation Band 4: Akteneinsicht - Marie Jahoda in Haft

Die Sozialpsychologin Marie Jahoda (1907–2001) saß 1936/37 im Asutrofaschismus als Revolutionäre Sozialistin neun Monate in Haft. Maria Hofstätter liest aus dem Strafakt von Marie Jahoda, Kotextualisierungen von Meinrad Ziegler. Anschließende Diskussuion über Marie Jahoda als Vorbild und Bedeutung für den mit Historikerin Martina Gugglberger (JKU Linz) und Kulturstadträtin Katrin Auer (SPÖ).
Die Veranstaltung fand am 7. März 2022 im Museum Arbeitswelt in Steyr statt.

Onlinediskussion: Arbeiten in Zeiten von Corona: Was können wir von Marie Jahoda lernen?

Die Corona-Krise macht viele Probleme der Arbeitswelt deutlich sichtbar. Ein Blick in die Arbeiten der Soziologin Marie Jahoda kann uns dabei helfen, ein besseres Verständnis zu entwickeln. Diskussion mit Meinrad Ziegler (JKU), Julia Hofmann (AK) und Georg Hubmann (JBI) diskutieren darüber.
Online-Veranstaltung, 27.05.2020.

Buchpräsentation Band 1: Lebensgeschichtliche Protokolle der arbeitenden Klassen

Marie Jahoda, Dissertation 1932: Lebensgeschichtliche Protokolle der arbeitenden Klassen 1850-1930 (Originaltitel: Anamnesen im Versorgungshaus. Ein Beitrag zur Lebenspsychologie), in Auszügen gelesen von Maria Hofstätter, mit Erläuterungen von Meinrad Ziegler.
Die Veranstaltung fand am im März 2018 an der Universität Innsbruck statt.

Buchpräsentation Band 3: Was ist bloß in der Gegenwart los?

Buchvorstellung zu den Themen Arbeit und Arbeitslosigkeit, Nationalismus und Globalisierung sowie um Fragen zur Vorurteilsforschung. Maria Hofstätter und Meinrad Ziegler (JKU) lesen sich durch die Bände 2 und 3 der Marie Jahoda Edition.
Central Linz, 26.11.2019.

Buchpräsentation Band 1: Maria liest Marie.

Maria Hofstätter liest aus den lebensgeschichtlichen Protokollen der arbeitenden Klassen – Band 1 der Marie Jahoda Edition – mit Kontextualisierung von Meinrad Ziegler (JKU). Als ExpertInnen diskutieren Dagmar Andree (AK), Ernst Langthaler (JKU) und Meinrad Ziegler (JKU) zum Thema. 
Central Linz, 
24.10.2017.